Vom Kakao Suchen

Es gibt Neuigkeiten zur Suche nach dem Friedenskakao!

Während wir gerade mit allen zehn Füßen in der GmbH-Gründung stecken und uns durch Verträge wühlen und Gesetze wälzen – uns gegenseitig Paragraphen zitieren und über interne Abstimmungsprozesse philosophieren, geht es auch beim Kakao selber voran. Ja, wir machen uns die Suche nicht leicht. Uwe stiefelte zwar in den letzten Jahren bereits durch die kolumbianischen Wälder des nordwestlichen Amazonasbeckens in den Departamentos, Caqueta (siehe diesen Artikel) und Putumayo an der Grenze zu Ecuador. Er tigerte durch die Sierra Nevada de Santa Marta im Nordosten Kolumbiens und durchstromerte die Gebiete am Mittleren Rio Magdalena. Aber viele Faktoren müssen stimmen, um den Friedenskakao, wie wir ihn uns vorstellen, zu finden. Wir stellen dabei hohe Hürden für uns selbst auf, und wir sind motiviert diese zu überwinden.

Hürde 1
Der Anbau und Handel soll dem Frieden in Kolumbien dienen. Das ist das Herzstück unseres Unternehmens und unserer Transformation Design Haltung. Deshalb ist es für uns besonders interessant, wenn es Initiativen oder Programme im Hintergrund gibt, die Kakao als lohnende Alternative zu Koka bewerben und die Bauern im Anbau unterstützen.

Hürde 2
Unser Kakao soll unsere agrarethischen Vorstellungen und Bedingungen erfüllen. Uwe sagt, der Kakao soll aus dem Dschungelgarten kommen. Nicht von ›aufgeräumten‹, geradezu ›steril‹ wirkenden Plantagen. Der Kakao soll in einem Agro-Forst-System (Sistemas Agroforestales) zusammen mit anderen heimischen Obst- und Gemüsesorten und auch Wildkräutern wachsen und sowohl den biodiversen Anbau fördern. Wie in einem Garten eben. Natürlich sollen dabei auch keine Pestizide oder Herbizide eingesetzt werden, diese spielen in solchen Gärten aber sowieso keine Rolle. Es wird in Permakultur angebaut – natürlich und zukunftsgerecht.

Außerdem ist es uns ein Anliegen direkt mit unseren Kleinbauern zu handeln – ohne Zwischenhändler oder Großmärkte. Zu einem fairen Preis, den die Bauern gestalten, den sie benötigen um so ihren Urwaldgarten zu bewirtschaften und ihre Familien umfassend mit Nahrung, Infrastruktur, Gesundheit und Kultur und Bildung zu versorgen. Dafür brauchen wir keine (Bio/Fairtrade)-Labels, denn die Zertifizierung ist für viele Kleinbauern kaum zu finanzieren, aber wir brauchen einen Einblick und eine gute Beziehung zueinander, um das entsprechende Vertrauen aufzubauen. Diese Hürde zu nehmen ist gar nicht so schwer, denn viele Kleinbauern in Kolumbien bauen traditionell so in ihren Urwaldgärten an. Wir müssen nur das Missverständnis aus dem Weg räumen, dass wir in Europa uns die Produktionsflächen ›sauber‹, also frei von Wildpflanzen, wünschen. Deshalb wollen wir in direkter Kommunikation stehen, dann können Missverständnisse er gar nicht entstehen. »¡Holla Paolo!«, »Hallo Sarah!«, »Me allegro saber de tí. ¿Cómo te va? «, »Ebenfalls Schön von dir zu hören. Wie läuft es denn bei dir?«

Hürde 3
Der Rohkakao soll höchsten Qualitätsstandards entsprechen. Dabei steht uns vor allem der natürliche Cadmiumgehalt des Bodens in manchen Gebieten im Weg. Besonders in Regionen der Anden kommt das Schwermetall natürlicherweise im vulkanischen Gestein vor und dementsprechend stark sind die Werte im Rohkakao, denn die Kakaopflanze nimmt wie alle Pflanzen die Stoffe im Boden auf, speichert sie nur leider in der Frucht. Das ist sehr ärgerlich, denn größere Mengen Cadmium können gesundheitlich schädlich sein und deshalb nehmen wir diesen Punkt mehr als ernst. Das Metall kommt zwar auch in Getreide und Gemüse vor – beispielsweise in Weizen, Sellerie und Spinat. Aber wir möchten kein Risiko eingehen und achten deshalb darauf einen Kakao zu finden, der wesentlich unter dem ab 2018 gesetzlich festgelegten Wert liegt. Dazu lassen wir alle Kakaoproben in Deutschland in staatlich anerkannten Laboratorien untersuchen. Ein kniffeliges Unterfangen, das uns bereits den ein oder anderen Rückschlag eingebracht hat.

Hürde 4
Auch die Herstellung unserer Produkte in Deutschland soll unserer Philosophie entsprechen. Zum Beispiel möchten wir unseren Kakao ohne Lecithine oder andere Zusatzstoffe verarbeiten. Dafür haben wir zum Glück bereits einen kompetenten Chocolatier im Spreewald gefunden, der nach dem Vorbild jahrhundertalter Handwerkskunst arbeitet und mit uns zusammen spannende Produkte und Rezepturen entwickeln wird. Ach, wie uns das Herz aufgeht.

Hürde 5
Und zu guter Letzt spielt natürlich auch das Design eine große Rolle, zum Beispiel im Bereich Verpackung und Druck. Das ist aber ein anderes Kapitel von dessen Ausflügen in die Tiefen von Konzept im Zusammenspiel mit Budget und physikalischen, chemischen und technischen Voraussetzungen wir euch gerne in anderes Mal entführen.

So haben wir uns eine ganze Liste angefertigt, die unsere Suche nicht einfach, aber in jedem Fall aufregend macht. Und wir sind zu Zeit bester Hoffnung zwei bis drei Partner in Kolumbien gefunden zu haben, die diesen Anforderungen gerecht werden. … aber das ist sozusagen unser Cliffhanger und davon berichten wir euch ein anderes Mal. Drückt uns bis dahin die Daumen.